In Cordula Sauers Atelier in Baruth hängen fertige und begonnene Landschaftsbilder,die auf den ersten Blick das idyllische Urstromtal der Mark Brandenburg in der Umgebung des Hauses wiedergeben. Doch die malerischen Baumgruppierungen, die Licht durchfluteten Waldränder lösen sich bei näherem Hinsehen in grobe Farbschlieren auf. Die rein malerischen Strukturen und opaken Farben, in kräftigen Pinselschwüngen aufgetragen, ergeben fast abstrakte Bilder in Grün mit weißen oder schwarzen Überlagerungen. Die Balance zwischen gegenständlichem Motiv und den eingesetzten malerischen Mitteln ergibt faszinierende, eigenständige Bildwelten, die sowohl mit den Konventionen der Landschaftsdarstellung, als auch denen der abstrakten Malerei spielen.
Die Fotos in ihrem Buchobjekt „Revue“ sind ebenfalls in der Natur angesiedelt. Darin werden unterschiedliche Aufnahmen der brandenburgischen Landschaft von einem schattenhaften Wesen überlagert. Erst bei näherem Hingucken erkennt man, dass es sich um eine weibliche Figur handelt, die in mehreren Ansichten zu sehen ist. Die Posen der nackten Frau ähneln dabei denen eines Aktmodells. Auch in der seriellen Reihung der einzelnen Fotos – die Arbeit entstand aus einer Diainstallation mit langsamen Überblendungen – bleibt eine Drehung der Gestalt in der Landschaft angedeutet. Doch die Ahnung einer Bewegung und die Platzierung der Figur ohne direkten Bezug zu der Umgebung irritiert.
Wie in vielen Arbeiten Cordula Sauers bleibt hier eine Ambivalenz zwischen den Bildebenen und dargestelltem Raum bestehen.
Gelegentlich tauchen auch in ihren Landschaftsgemälden nackte, sitzende oder stehende Figuren auf, die aber in der gemalten Variante ebenso eigenartige Fremdkörper in den Bildern bleiben.
Die Verwandlung von gegenständlichen Motiven in ihre eigenen teilweise fast abstrakten Kompositionen bestimmt Cordula Sauers Arbeiten seit ihrer Studienzeit an der Düsseldorfer Kunstakademie. Werbung, typografische Elemente und Farbfelder fließen in die Kompositionen ein, öffnen und versperren den Bildraum gleichzeitig. Betont flächig gemalt überlagern sich die Bildsubjekte und unterlaufen dadurch den reinen Abbildcharakter. Die Räumlichkeit der Gemälde oszilliert dabei zwischen scheinbarer Tiefe und der konkreten Ebene der Darstellung, der Leinwand.
Im Kontext ihrer anderen künstlerischen Arbeiten gesehen, ist die Fotoserie in „Revue“ keine Übung mit digitalen Medien oder eine computerisierte Gestaltung künstlicher Welten, sondern eine weitergeführte Auseinandersetzung mit den bildnerischen Mitteln. So treffen sich die gänzlich unterschiedlichen Medien Malerei und Fotografie in Cordula Sauers Atelier.